
Die Urmutter der Geschichten über außerirdische Invasionen hat bis heute Spuren hinterlassen
„Krieg der Welten“ gilt als einer der ersten Romane, in dem eine außerirdische Invasion geschildert wird. Im vorliegenden Fall sind die Invasoren Marsianer, die mit ihrer zerstörerischen Kriegstechnologie über London und Umgebung herfallen und keinen Stein auf dem anderen lassen.
Wer sich auch nur ein wenig für Science-Fiction interessiert, stellt schnell fest, dass „Krieg der Welten“ zahllose gängige Story-Schablonen rund um Außerirdische geprägt hat. Praktisch alle von ihnen tauchen auf noch in modernen Romanen, Filmen oder Serien auf. Zum Beispiel, dass Außerirdische telepathische Fähigkeiten haben. Oder dass sie über eine hochentwickelte Kriegsmaschinerie verfügen, der Erdlinge nichts entgegenzusetzen haben. Und eine rätselhafte Biologie, die uns Erdlingen gegenüber nicht nur Stärken, sondern auch unerwartete Schwächen aufweist.
„Krieg der Welten“ wartet mit mehr literarischer Finesse auf, als viele Leser erwarten werden
Davon abgesehen bemerkt man sofort, dass Wells auch ganz genau weiß, wie man Spannung erzeugt. Die Invasion der Marsbewohner kündigt sich nur schleichend an. Zuerst mit seltsamen Kometen in ungewöhnlichen Farben. Diese stellen sich als vom Mars aus abgefeuerte, mysteriöse Zylinder heraus.
Was sich in diesen Zylindern befindet, erweist sich nach einer Weile als sehr tödlich. Wells stellt sehr schnell unter Beweis, dass er sich auf für den einen oder anderen Schockeffekt nicht zu schade ist. Es dauert nicht lange, bis die Situation aus dem Ruder läuft und die ersten Erdlinge sterben – und es werden immer mehr. Und dann legen die Marsianer noch nach und lassen ihre dreibeinigen Kampfmaschinen auf die völlig unvorbereitete Menschheit los.
„Der Krieg der Welten“ beginnt beschaulich, bis es plötzlich zur Sache geht
„Krieg der Welten“ läuft ab diesem Punkt zur Hochform auf und beeindruckt mit gekonnt geschriebenen Massenschlachten zwischen der irdischen und der marsianischen Armee. Darauf folgen zahlreiche ruhigere Szenen, in denen Stimmung und Atmosphäre Priorität haben. Hinzu kommen einige introspektive Kapitel, die sich vor allem dem facettenreichen Innenleben des namenlosen Protagonisten widmen. All das ergibt einen Roman, der den Leser gekonnt bei der Stange hält und weitaus mehr Finesse bietet, als man einem Science-Fiction-Schinken von 1898 zugetraut hätte.
Am meisten hat der Zahn der Zeit wohl am Ende des Romans genagt – und ich will hier natürlich nicht zu viel verraten. Kurz davor geschieht allerdings noch etwas mit dem Protagonisten, das sich immer noch modern anfühlt und mit dem viele heutige Leser wohl nicht gerechnet hätten.
Wer Science Fiction mag, wird auch „Der Krieg der Welten mögen“
Viel mehr kann man über „Krieg der Welten“ nicht sagen, ohne zu viele Überraschungen vorwegzunehmen. Wer etwa wissen will, woher ein Großteil der populären Klischees über Außerirdische stammt, die uns auch heute noch begegnen, kann bedenkenlos zugreifen. Und natürlich auch, wer einfach nur gut und niveauvoll unterhalten werden will.
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